Eine Kernaussage zum Web 2.0 ist „…, dass die Novität, die mit dem Label Web 2.0 markiert wird, weniger technologischer Art ist, sondern vor allem als eine veränderte Wahrnehmung und Nutzung des Internets aufgefasst werden kann“ (Kerres 2006, nach Peschke, R., Rüddigkeit V., Wagner, W-R. In: Computer + Unterricht. Anregungen und Materialien für das Lernen in der Informationsgesellschaft. Web 2.0 Internet interaktiv. Friedrich in Velber, 66 (2007), S. 6).
Web 2.0 meint die Entwicklung vom Netz vom Distributionsmedium zum „Mit-Mach-Netz“. Das Web wird zum „virtuellen Schreibtisch“ und dient zur Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz. Wir sind unterwegs zu einer „Pädagogik der Navigation“ (Röll, 2003, nach Peschke, R., Rüddigkeit V., Wagner, W-R. In: Computer + Unterricht, 66 (2007), S. 7) zur Förderung der Selbstständigkeit und Problemlösungskompetenz. Die Grundsätze konstruktivistischer Lernphilosophie erinnern an Ansätze aus der Reformpädagogik. Web 2.0 meint auch ein neues technisches Leitbild auf dem „Campus Schule“ mit Blogs, Wikis und Podcasts und neuen fachdidaktischen Interessen. „Guter Unterricht“ meint kooperatives Lernen, E-Learning und vor allem Handlungsorientierung. Weitere Informationen zu Anwendungen für die „Schule im Netz“ wie RSS-Feeds (del.icio.us), Tagging, Blogs (z.B. wordpress), Podcasts und Wikis (z.B. wetpaint) in: Computer + Unterricht. Anregungen und Materialien für das Lernen in der Informationsgesellschaft. Web 2.0 Internet interaktiv. Friedrich in Velber, 66 (2007). Dazu gehört auch das E-Portfolio (ausser E-Portfolios wie z.B. mahara gibt es auch die Möglichkeit eines E-Portfolios über igoogle).
Entscheidend bei diesen neuen technischen Möglichkeiten wird sicher die Art und Weise der Umsetzung sein. Zu hoffen bleibt, dass – im Unterschied zur damaligen Reformpädagogik – möglichst viele Projekte wissenschaftlich begleitet, in die Bildungsforschung eingebunden und kritisch reflektiert werden.
Lernen ist kognitiv, motivational, emotional und sozial bedingt (Gabi, Blended Learning in der Lehrerbildung. Grundlagen für die Konzeption innovativer Lernumgebungen. Lengerich: Papst Science Publishers, 2005). Beim Blended Learning dienen digitale Medien nicht nur zur Distribution und Repräsentation, sondern auch zur Exploration, Kommunikation und Kooperation. Es werden sowohl Informationstechnologien wie Multimedia-Instrumente als auch Kommunikationstechnologien wie Hypermedia-Tools eingesetzt. Modelle des Blended Learnings können eher technologiebasiert begründet sein. Weiter ein dreidimensionaler Ansatz mit Lehr- und Lernebene, Handlungsebene und die Ebene der sozialen Organisation (Baumgartner 2004, nach Reinmann, 2005, 107). Schliesslich lässt sich Blended Learning auch auf vor allem didaktisch begründete Szenarien aufbauen. In einer strukturgenetischen Perspektive wird durch aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt Wissen generiert. Neben institutionalisiertem Lernen spielen auch informelle Lernformen eine wichtige Rolle. Bei Blended-Learning-Umgebungen sollen Struktur, Prozess und Technik möglichst kohärent sein. Je nach Design findet Lernen in unterschiedlichen Paradigmen statt:
• beim behavioristischen Ansatz steht z.B. das Trainieren von Fertigkeiten mittels Programmen und Instruktionen im Vordergrund,
• beim Kognitivismus die Informationsverarbeitung und Steuerung,
• der Konstruktivismus setzt schliesslich auf die Ermöglichung zum Entdecken, auf Selbstorganisation und Empowerment in Form von Lernkontexten und Aufgaben oder gar Spielen.
Blendet Learning kann nicht nur für den Unterricht, sondern als „pädagogischer Doppeldecker“ auch für die Lehreraus- und –fortbildung sinnvoll sein.
Auch hier gilt sicher, jede Lösung ist so gut wie ihre Umsetzung. Selbst wenn zwei Fachleute genau das Gleiche tun, gibt es Unterschiede. Systemisch gesehen spielen für das Gelingen einer Implementierung viele Faktoren eine Rolle: räumliche, zeitliche, technische und vor allem menschliche (Renoldner Ch., Scala E., Rabenstein R., einfach systemisch! Systemische Grundlagen und Methoden für Ihre pädagogische Arbeit. Münster: Oekotopia Verlag, 2007). Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Nützliche Tipps für die Begleitung beim „Lernen im Netz“ gibt Graf Maja: eModeration, Lernende im Netz begleiten. Bern: h.e.p. verlag ag, 2004. Es geht um E-Learning-Formen in der Praxis, um Tools, Anwendungen, hilfreiche Checklisten und – ganz wichtig – die Betreuung der Lernenden wie z.B. die Abklärung der Vorkenntnisse. Für die didaktische Umsetzung sind unterschiedliche Lernsettings wie z.B. Werkstattunterricht, Postenlauf sowie der Einsatz von Kompetenzrastern und LernJobs u.a.m. denkbar (Müller A. spirit of learning. Dem Wissen auf der Spur. Februar 03).